Es ist noch sehr früh am Morgen. Meine Frau muß zu einem Lehrgang und deshalb haben wir schon um 5 Uhr gefrühstückt und sie ist losgefahren. Ich räume noch den Tisch ab und mach Ordnung und schaue aus dem Fenster in die aufgehende Sonne. Es vespricht ein schöner Tag zu werden. ein Sonnenstrahl trifft das Schlüsselbrett, und eine glitzernde Spiegelung darauf hin mein Auge. Es ist wie eine Aufforderung " nimm mich" Ich gehe zum Schlüsselbrett, fixiert auf den blinkenden Schlüssel, und nehme ihn ab. Es ist der Schlüssel meiner Bimote Due Dieci. Yes ...denke ich... das mache ich...ich werde mich auf machen und eine ordentliche Runde Motorrad fahren. Also die Lederklamotten rausgeholt und alles was noch dazu gehört. Helm Handschuhe Stiefel, und das etwas zu dicke Portmonais gegen einen Brustbeutel getauscht der wesendlich flacher ist und das Nötigste reingesteckt. Das Kombi ist zu eng für volle Taschen. Ja ja lacht nur ...ist halt Schrumpfleder. Mit einsatz gezielter Atemtechnik kriege ich es dennoch zu. Es wird wenn es wärmer wird schon weiter denke ich. Apropo "Wärmer" .. ich schaue im Netz mal nach dem Wetter und das steht "Heiter bis sonnig, Von Südwesten aufkommend Sonnenschein" Gut, also ist die Richtung klar. Meine Brocken geschnappt und die Treppe runter. Das Kombi kneift noch ein wenig, aber es wird besser. Die Haustür abgeschlossen und ab ins Auto. Also mit dem Kombi autofahren ist doch schon recht sperrig, aber meien Bella steht im Schaufenster meines Ladens. Also was bleibt mir übrig. Am Laden angekommen schäle ich mich aus dem Auto und schaue mich verstohlen um ob jemend meine ungelenken Bewegungen gesehen hat. Doch so früh ist keiner zu sehen. Ich schließe den Laden auf und ziehe erst mal die Kombijacke wieder aus um das Bike aus dem Fenster zu rangieren. Die Rampe an den Eingang gelegt, um die Stufe zu überwinden, und das Bike rückwärts aus dem Laden geschoben. Nun geht die Jacke schon besser zu stelle ich zufrieden fest, und ziehe mich an. Die Rampe wieder rein und den Laden abgeschlossen. Helm auf und Handschuhe an, dann den Schlüssel gedreht und dem Tikkern der Benzinpumpe zugehört. Nach ein paar Sekunden erstirbt das Tikkern, und signalisiert mir so "Vergaser voll" Ich drücke den Startknopf und unter mir grummelt leise der 4 Zylinder Motor. Diese Zuverlässigkeit und der auch in kaltem Zustand perfekte Rundlauf des Yamahamotors treibt mir immer wieder ein Lächeln ins Gesicht. Mit einem lauten "Klack" rastet der erste Gang ein, und leise mache ich mich auf den Weg. Zuerst mal raus aus der Stadt denke ich, und steuer Richtung Autobahn Düsseldorf. Nach und nach kann ich den Choke zurücknehmen, und die Auffahrt kommt in Sicht. Sanft ziehe ich das Gas auf und beschleunige bis etwa 120. Zuerst mal lasse ich die Bella ruhig dahinbrummeln, denn das Öl soll erst mal ordentlich warm werden. Der erste Teil der Autobahn ist sowiso Geschwindigkeitsbegrenzt. Dann kommt das schöne Zeichen "Ende aller Streckenbegrenzungen." Ich mache den Hahn mal ein wenig mehr auf und sofort wird das leise schnurren zu einem gierigen Fauchen. Ich falte mich zusammen und ziehe mal bis zum Anschlag auf Das Fauchen wird zum Brüllen und dann zum Kreischen und ich steppe die Gänge durch. Mit etwas 250 feile ich über die Ruhrtalbrücke, Noch habe ich Platz, denn es ist noch immer recht früh. Fahre ich zum Niederreihn oder in die Eifel denke ich so auf der Höhe des Düsseldorfer Flughafens. Bei dem Gedanken an die Eifel springt mich ein Wort förmlich an "Ring" Jau...da war ich schon lange nicht mehr. Diese Spielwiese meiner wilden Jahre, die geilste und schönste Strecke der Welt...Der Nürburgring. Ja das mache ich. Und schon ist mein Ziel klar. Noch ein mal Nordschleife. Artgerechte Bewegung für die Bella. So weit ist der Ring von Essen gar nicht weg. bis Start/Ziel sind es 160 km. Früher war das in etwa einer Stunde zu schaffen, aber da gab es noch nicht so viele Begrenzungen. Doch so einige Streckenabschnitte sind auch heute noch frei von Drangsalierungen und ich lasse die Bella mit gemütlicher Reisegeschwindigkeit von 200 laufen. Bei der Geschwindigkeit werden die Handgelenke komplett entlastet und ich sitze superbequem vom Windstrom gestützt. Die letzten Kilometer gehen duch die Landstraßen des Artales und ich schwinge mich so richtig schön ein. Kurvenfahren ist doch viel schöner als auf der Autobhn mit hoher Geschwindigkeit langzufeilen. Das Kombie zwickt überhaupt nicht mehr, es passt einfach alles.Dann kommt das Ortsschild "Adenau" ich brummel leise durch das Örtchen und dann seh ich die Breitscheider Brücke. Da ist er ...der Ring... und was macht die Dieci...sie rukkelt. Sprit alle...Ich drücke das Reserveknöpfchen und wenige Sekunden später schnurrt sie wieder zufrieden. Also tanken. Direkt an der Brück ist eine Tankstelle die ich schon mit den Rennmaschinen immer mal wieder genutzt hab und ich stelle die Bella an einer Säule ab. Den Rüssel mit lekker Super-Plus rein und die Reserve wieder abschalten. Währe ja zu peinlich das zu vergessen. Dann mache ich mich auf den Weg zum Streckenabschnitt Antoniusbuche. Da hat man ja seit einiger Zeit den Eingang zur Nordschleife gebaut, damit die ganzen am Ring in Meuspath ansässigen Werke und Händler über die Bundesstraße 258 rüber müssen und sind schon auf dem Ring. Ich biege an der Döttinger Höhe auf die Parallelstraße neben der langen Geraden ein und fahre auf den Kreisverkehr zu. Dort angekommen schwinge ich die Bimota Due Dieci duch die letzten Kurven und rolle auf den Parkplatz. Ich stelle die Bella ab und schaue verwundert auf den Eingang...ZU...Was zum Teufel ist hier los??? Hmmmm keine Ahnung...Da höre ich einen hochdrehenden Motor vorbeikreischen und kann noch gerade ein Motorrad auf der Strecke vorbeihuschen sehen. Da fahre aber doch welche??? Ich entdecke eine weitern Zuschauer und gehe zu ihm. Kurze Begrüßung und mal Gefragt, warum die Strecke gesperrt ist. "Testfahrten" ist die knappe aber alles erklärende Antwort. Na toll denke ich, da bin ich den ganzen Weg um sonst hier her gefahren...Na ja ...der Weg ist das Ziel versuch ich die Endteuschung zu mildern. Na wenn ich schon mal hier bin fahre ich doch mal zu Start und Ziel. Ich schwinge mich wieder auf meine Bella und schnurre weiter. Fast angekommen seh ich wie an der alten Einfahrt zur Nordschleife Motorräder reinfahren. Doch gleich nach ihnen wird wieder dicht gemacht. Ich bleibe stehen, und sehe wie ein Motorrad da raus gelassen wird. Da ich sowiso gerade losfahren wollte fahre ich hinterher. Wir landen im "Alten Fahrerlager." Als der Motorradfahrer absteigt und sein Bike an heranlaufende Mechaniker übergibt, entschließe ich mich ebenfalls die Dieci abzustellen und mal zu schauen was hier so ab geht. Mehrere Trucks und Vorzelte sind aufgestellt und ich lese "Metzeler Pirelli" Als der Motorradfahrer seinen Helm abnimmt muß ich grinsen, und nehme auch den Helm ab, Unsere Blick treffen sich und auch in seinen Augen ist ein erkennen zu sehen. "Hy Jürgen" sage ich "Manni??" kommt fragend zurück. "jauuu" sag ich und wir gehen aufeinander zu. "Mann wie lange ist das her du alte Kampfsau" sprudelt es aus ihm heraus. "Über 30 Jahre" sag ich als wir uns umarmen. "Was machst du hier?" Fragt er. " Ich führe meine Bella ein wenig aus und wollte sie eigndlich standesgemäß mal auf dem Ring bewegen. Aber leider ist der gesperrt." Er schaut auf die Bimota "Deine Bella... ist ja geil, eine Bimota Dieci. Aber mit Soziussitz, das kenn ich bei dem Modell gar nicht??" " Ja , fällt dir gleich auf" grinse ich" das ist in den Papieren eine YB8/10, Allerdings ein Einzelstück und heißt Bimota Due-Dieci" "Darf ich mal?" fragt er und setzt sich nach meinerm Nicken auf die Bella. "Geil" sagt er," Die ist ja viel bequemer als ich Bimotas kenne" Er steigt wieder ab, und murmelt " Ich habe da eine Idee.... warte mal ich versuch mal was. Komm mit." Wir gehen zu den Zelten und er geht zu ein Paar im Hintergrund an einem Tisch vor Laptops sitzenden Herren. Nach ein paar Sekunden dreht sich einer der Herren um, und ich muß sofort grinsen, denn den kenne ich auch seit vielen Jahren. Er steht auf und kommt lächelnd auf mich zu. "Hallo Herr Dähne " begrüße ich ihn und stelle mich vor. "Die Idee von Jürgen ist gar nicht schlecht, sagt er. Er wird alles weitere mit ihnen besprechen. Ich glaube wir sind uns auch schon auf den Langstreckenrennen begegnet, nicht war" Er grinst als er sagt, "Da gab es mal einen Manni der bei Regen sauschnell war" Ja das kann schon sein" grinse ich zurück. Jürgen sagt nur "Komm mit""Allles klar" sage ich und mir ist gar nix klar, aber mal abwarten was mein alter Freund aus Yamaha Cup Zeiten da ausgeheckt hat. "Also folgendes. wenn du heute auf den Ring willst, und ohne den Touristenverkehr ein paar Runden drehen willst mußt du deine Schlappen wechseln. Was ich sowiso für angebracht halte, denn viel Profil haben die nicht mehr." Grinst er mich an und wir sind inzwischen an der Bimota angekommen. "Stimmt, sage ich das ist nicht mehr so viel übrig" sage ich mit einem Blick auf den hinteren Reifen. "Wir haben keine Bimota YB um Reifentests zu fahren für die Freigebe, deshalb habe ich es Helmuth so schmackhaft gemacht, das wir dir die neuen Pirellis aufziehen und eine Blackbox auf den Tank schnallen. Die Regestriert mit Gyroskopsensoren die Bewegungen des Bikes und mit GPS wo und wie schnell du fährst. Daran erkennen wir dann die Schwingungen und das verhalten des Bikes mit den Reifen. So können wir für die Freigaben die YB8 und 10 abdecken. was meinst du" "Coole Idee, so haben wir alle was davon, ich kann ein paar Runden auf der Nordschleife drehen und ihr bekommt aussgafähige Daten. Zudem brauch ich sowiso neue Pellen, und die Freigabe ist da ja auch immer ein Problem bei der Rarität." " Allerdings hat die Sache auch einen kleinen Haken, du bist nicht bei uns angestellt, und somit nicht über uns versichert, du müßtest einen Haftungsausschluss unterschreiben. " No Problem ...mache ich..." "und noch was: auf den ersten Runden mußt Du ein bestimmtes Programm fahren, und dann rauskommen und den Technikern Fragen beantworten. In der Zeit werden die Reifen geprüft und dann hast du 3 Runden freie Fahrt, dann wieder raus und Fragen beantworten." " Hört sich ja an wie richtige Arbeit" Grinse ich ihn an."Stimmt, wenn du das den ganzen Tag machst, dann ist das Arbeit, aber es macht immer noch Spaß" Wir holen die Bimota und übergeben sie an die Mechaniker. Nach wenigen Minuten kommt ein Mechaniker aus dem Zelt und hält die alten Reifen weit von sich gestreckt vor sich und befördert sie auf einen Haufen mit abgenutzten Reifen. Ich muß Lachen so wie der die Reifen behandelt, als seien sie hochgiftig. Dazu noch sein angewiedertes Gesicht. Einfach köstlich. "So stellt er sich immer bei Fremdmarken an" Sagt Jürgen. Ich bekomme noch eine klare Einweisung wie die ersten Runden auszusehen haben und worauf ich insbesonders achten soll. Dann schieben die Mechaniker die Dieci wieder aus dem Zelt. Nagelneue Pirellis sind nun aufgezogen und eine kleine etwa zigarettenschachtelgroße Box ist mit Fotokitt auf den Tank geklebt. Ich übernehme die Bella und schwinge mich auf den Sattel. Auch Jürgen kommet mit einer Maschiene und fährt vor denn ohne das er mich bei den Torwächtern avisiert komme ich nicht auf die Strecke. Wir fahren den kurzen weg über die öffendliche Straße zum Eingang auf die Strecke, ein kurzes Pläuschchen zwischen Jürgen und dem Torwächter, der winkt mir zu , und lässt mich durch. Ich bin auf dem Ring....juhu...aber ich muß meine Euphorie erst mal bremsen, und fahre das vorgegeben Programm durch. Bescheunigen und Bremsen , lockeres fahren ohne großen Speed. es ist für mich auch so was wie eine Informationsrunde. ich schaue, wo der Asphalt der Strecke sich ändert, wo Flicken oder Dreck sind, So bringe ich die erste Runde in gemütlichem Tourertempo hinter mich und fahre wieder raus. Wieder Im Fahrerlager angekommen stecken die Mechaniker einen Laptop an meine Backbox und lesen sie aus. Andere Mechaniker messen die Themperaturen der Reifen und machen Fotos und eine Sichtprüfung. Dann noch den Luftdruck geprüft und schon kann ich wieder los. Nun kann ich frei fahren. also lost gehts. Die Reifen haben schon etwas Temperatur, also kann ich gleich mal fliegen lassen. Ich schwinge über die Kuppe am alten Start und Ziel der Nordschleife und stürze mich ins Kurvengeschlängel des Hazenbach Am Flugplatz kreischt die Dieci mit über 200 durch die lange Kurve und ich jage auf das Schwedenkreuz zu. Das Anbremsen der Arenbergkurve ist kritisch und die Dieci wird hinten verdammt leicht. Dann stürze ich die Fuchsröhre runter, und die Kompression haut mich auf den Tank. Doch keine Zeit sich zu sammeln, denn es kommt eine Schlüsselstelle. Der Adenauer Forst. In Schräglage über eine Kuppe in eine sich zuziehende Kurve rein. Da fliegen viele ins Gemüse, aber ich kenne das Ding und es passt. Genussvoll schwinge ich durch die Kurven von Mtzgesfeld, Kallenhard und Wehrseifen. Und schon fliege ich auf die Breidscheider-Brücke zu. Durch Ex Mühle fliege ich Richtung Berkwerk und mein linkes Knie schrabbelt über den Curb der damals den Niki rausgefeuert hat. Bergwerk anbremsen und präziese durch die Kurve , jedes bischen Schwung mitnehmen für den langen langen Aufstieg am Kesselchen. Am Ende der fast Geraden ganz weich durch die Kurven von den Carraciola Karussell. Dann geht es duch viel schöne Kurven . Links an die Curbs -rechts an die Curbs, und ruhig und weich schwingen lassen. So durchfahre ich Wippermann Eschbach Brünnchen.und Pflanzgarten Den langen Sprung treffe ich sauber und komme auch an der richtigen Stelle zum Einlenken wieder auf den Boden. Von nun an gehts Berg ab. Und das sauschnell Erst am Schwalbenschwanz wird es wieder kritisch. Dieses sogenannte "Kleine Karussell" Ist hinterhältig. es geht schneller als man denkt. und fährst du zu langsam rein zieht es dich nach unten und du kommst auf den Dreck der sich dort immer sammelt. Dies Endet meist mit schlagartigem Gripverlust. Den Schwung mitnehmen und sauber durch die Kurve der Döttinger Höhe feilen. Der Ausgang ist sauschnell und wichtig . Denn den Schwung nimmst du mit über die extrem lange Gerade bis zur Antoniusbuche. Mit deutlich mehr als 250 km/h faucht die Dieci unter der Brücke durch und die erste Runde ist zu Ende. Es Folgen noch 2 in gleicher Art, und ich fühle mich immer wohler. Ich komme in meinen Rhytmus und habe einfach nur Spaß. Dann muss ich wieder raus, und fahre mit den gut geforderten Reifen wieder ins Fahrerlager. Ich stehe kaum als die Mechaniker schon die Temperaturen messen, und die Lauffläche fotografieren. Jürgen kommt auf mich zu, und schau sich auch die Reifen an. "Ah Ja...wie ich sehe kannst du es noch" Und grinst mich breit an. Die Blackbox wird wieder abgenommen. Die Herren an den Laptops lesen die Daten aus. Helmuth dreht sich um und mein. " Sauber... alle 3 Runden innerhalb von 5 Sekunden. Die letzten 2 nur 1,5 Sekunden auseinander. Schön gleichmäßig gefahren. Und mit den Rundenzeiten brauchst du dich nicht zu verstecken. Damit können wir arbeiten." Noch ein bischen Quatschen , einen kleinen Rundgang durchs Fahrerlager und dann mach ich mich auf den Weg nach Hause. Glückselig schwinge ich durchs Ahrtal und lasse die Bimota auf der Autobahn so viel Feilauf wie es erlaubt ist. Doch wie Langweilig und dabei gefährlich ist es doch im öffendlichen Verkehr. In Essen angekommen kommt die Dieci wieder in den Laden und ich fahre entspannt nach Hause. Was für ein Tag.....Herrlich.