Eine kleine Geschichte aus meinem Beruf.

:mrgreen: 

Manche nennen es Midlife-Crisis, doch ich habe noch Träume.

Wie alles begann....

Juni 2013. Heiß ist es. Und an einem Sonntag, kommt mir als Sozia auf einer dicken BMW plötzlich der seltsame Gedanke, ob ich nicht auch selbst fahren könnte.
Midlife-Crisis?
In wenigen Jahren werde ich 40 Jahre alt. Der Gedanke lässt mich nicht mehr los: selbst fahren, selbst fahren, selbst fahren. Es ist nur ein Gedanke, ich spreche ihn noch nicht einmal laut aus. Nehme den Gedanken mit ins Bett, wache am Morgen mit ihm auf. Ich gehe wie gewohnt zur Arbeit. Es ist warm. Dunkelblauer Minirock, weiße Bluse, Stöckelschuhe..............und in mir der Gedanke vom Motorradführerschein. 

Eine Sehnsucht, die ich kaum beschreiben kann. So vieles, was ich noch nicht erlebt habe, so viele Träume, die noch realisiert werden könnten. Ja ich habe noch Träume, und das Motorradfahren gehört dazu. Nicht mehr nur Sozia sein, nicht mehr hinter einem breiten Rücken sitzen, sondern selbst den Fahrtwind genießen. Sehen, fühlen und selber Handeln, den Weg bestimmen, und nicht nur mitfahren. Meinen Weg selbst besimmen, etwas für mich tun, für mich allein. Etwas verrücktes...

Vielleicht ist meine Chefin schuld. Sie gibt mir an diesem Montag einen Zettel, auf dem stehen ein paar Worte von Kristiane Allert-Wybranitz: 

Du sagst, du kannst es nicht. Du sagst, das schaffst du nicht. Du sagst, das erreichst du nie. Du sagst, es sei zu schwer für dich, es sei unmöglich. Doch probiert hast du es nie.





Nun wird es ernst.....

Ganz klein gefaltet verschwindet der Zettel in meinem Geldbeutel. Sicher ist es Zufall, dass ich direkt nach der Arbeit an einer Ampel halten muss, und mein Blick auf eine Fahrschule fällt.
"Mannys-Fahrschule" steht da, und ein Mercedes mit der Aufschrift "Manny lehrt - wie man fährt" steht davor , aus dem gerade ein Mann aussteigt. Blinker rechts, und Parkplatz gesucht geht wie von selbst, und schon stehe ich mit Minirock und Stöckelschuhen vor dem Fahrschullehrer.
"Was darf ich für Sie tun?" "Tja" antworte ich langsam, "Auto fahren kann ich schon. Aber würden Sie es sich zutrauen, mir auch das Motorradfahren beizubringen?" Bis heute weiß ich nicht, woher ich diesen Mut genommen habe. Der Zettel in meinem Geldbeutel vielleicht?

Er schaut mich abschätzend an, ich fühle mich irgend wie overdressed. Gerade will mich ein Gefühl der Lächerlichkeit beschleichen, da antwortet der Chef: "Na klar, wieso nicht?" Nicht mehr ganz so mutig werfe ich nun ein, mit meinen 162 cm vielleicht doch etwas zu klein zu sein für ein Motorrad. Sicher auch nicht stark genug, nicht kräftig genug. Doch er lächelt. "Komm mal mit", aus dem hochachtungsvollen SIE ist ein vertrautes DU geworden. Ach ja, Biker duzen sich.
"Nur weil ein Bike im Beamtendeutsch Kraftrad genannt wird heißt das nicht, das Du die Kraft haben mußt. Die hat das Bike. Gefühl und Ruhe ist viel wichtiger." Sagt Manny auf dem Weg zur Garage im Hof. "In der Ruhe liegt die Kraft, sagenhaft was man dann schafft" höre ich noch von ihm.

Mulmig ist mir schon zumute, während ich ihm folge. Er öffnet ein Garagentor und schiebt eine "Riesenmaschine" heraus, eine 600er Yamaha in Weiß. "Setz dich mal drauf" fordert er mich auf. Hilflos stehe ich neben der Maschine. Der Leser erinnert sich : Minirock und Stöckelschuhe. Sind alle Motorräder soooooo groß??? Als Sozia ist mir das nie aufgefallen, wirklich nicht. Wo ist das nächste Mauseloch, in das ich kriechen kann? Mein Herz klopft irre laut, er müsste das eigentlich hören. "Keine Angst" sagt er (aha, er hat es gehört), "ich halte die Maschine fest, kann nix passieren."

Zögernd und zutiefst beschämt ziehe ich langsam meinen Minirock etwas nach oben. Er grinst. Ich glaube seinen Blick auf den nakten Beinen zu spüren, ist schließlich ein Mann. Zitternd versuche ich, mit meinem Lady-Outfit auf dieses Gefährt zu kommen. Naja, wie erwartet, ich komme mit den Füßen noch nicht einmal in die Nähe des Bodens. "Also nicht?" frage ich traurig. "Doch" lächelt er, "Es ist überhaupt nicht nötig mit beiden Beinen satt auf den Boden zu kommen, denn du willst ja Motorrad fahren und nicht nur stehen. Du brauchst nur ordentliche Klamotten, vor allem richtige Schuhe." "Hab ich doch" werfe ich ein. Er schaut mich von unten nach oben etwas zweifelnd an. "Ich fahre schon seit Jahren als Sozia mit. Das hier ist nur meine "Arbeitskleidung". Er grinst, und meinet: "Na also, das ist ja schon mal ein Vorteil. Dann werden wir nun eine kleine Übung machen. Vergiss mal für einen Augenblick deine etwas unpassende Kleidung, und Strecke die Beine so weit wie möglich seitlich aus und strecke auch deine Füße so, das du nur mit den Zehenspitzen den Boden berührst" Panisch frage ich "Du hälst sie aber fest" " Na klar"
Ich fahre meine Stelzen aus und berühre nur noch mit den Schuhspitzen den Boden.
"So und nun lasse die Maschiene nach links kippen." "Waaas oh Schei...." Als ich sein Schmunzeln höre wird mir sofort die Peinlichkeit der Situation klar. Eine im Damenoutfit elegant gekleidete Frau mittleren Alters mit nackten Beinen gefühlt bis zum Hals steht panisch mit 200 Kilo Motorrad zwischen den Beinen und äußert sich in Fäkalsprache. Toller Eindruck.
Aber nun keine Schwäche zeigen schon gar nicht vor so einem Macho denke ich, und lasse sie vorsichtig kippen. "Du hälst aber fest" "Na klar" Das ganze ist schon ziemlich schräg. In Wahren wie übertragendem Sinne. Nun stehe ich fest auf dem linken Fuß, soweit das mit Pumps geht, und der Rechte schwebt weit in der Luft. " Und nun zur andern Seite, und mit dem Fuß dort abfangen." Ich beherrsch mich noch mal Panik zu zeigen und lasse sie zur andern Seite kippen, und es klappt. Ich kann sie abfangen und stehe nun mit dem rechten Fuß auf dem Boden.
" Fein, das hat ja schon mal geklappt. Und nun schwinge sie mal so von einer zur andern Seite. Immer wieder." "Aber fest halten, nicht das ich umkippe." Meine Stimme ist schon etwas weniger panisch. "Na klar" Höre ich wieder. Also fange ich an die 200 Kilo der Yamaha hin und her zu schupsen und fange sie immer wieder mir den Fußsspitzen ab und stoße sie wieder zu andern Seite. Klappt eigentlich ganz gut meine ich und wie zur Bestätigung höre ich seine Stmme sagen:" Na also, geht doch"
Die Stimme kommt aber nicht von hinten. Erschrocken über diese Erkenntniss schaue ich zur Seite, und da steht ein grinsender Fahrlehrer. "Du wolltest sie doch festhalten" Gifte ich ihn an." Sein Grinsen wird breiter " Na klar, aber nur so lange es nötig ist." So viel zu seinem "Na klar"
Da stehe ich nun. Und bin erst mal stolz das ich noch stehe.
"Und wie komme ich hier wieder runter" Frage ich "Absteigen" kommt da ganz trocken.
Ich könnte ihm eine Reinhauen. Er sieht wohl meinen giftigen Blick und entkräftet "Ich sag dir wie das geht, Lehne sie an dein rechtes Bein, und schiebe mit dem Absatz den Seitenständer raus, bis er anschlägt." "Mit dem Absatz treffe ich den Seitenständer nie..." "Ach ja , entschuldige." kommt da und er schiebt den Ständer raus. "Willst du sie nicht vorsichtshalber fest halten" "Nein , will ich nicht. Nur wenn ich muss."
Na klasse das kann ja heiter werden. denke ich und erschrecke vor der Erkenntniss, das ich in meinem Innern schon beschlossen habe es mit diesem Macho aufzunehmen. "Nun lasse die Maschiene nach links auf den Ständer kippen." Ich lasse kippen, und steige ab. 

Manny schiebt die Yamaha wieder in die Garage und ich zupfe mein Outfit wieder zurecht, dann gehen wir nach vorne zur Fahrschule.
Dort wartet bereits ein Fahrschüler und Manny sagt noch: " Komm doch bitte am Dienstag zwischen 17 und 19 Uhr zur Anmeldung.
Da wird meine Frau in der Fahrschule sein, und dir alles Nötige erklären."



Herzklopfen! Das Herzklopfen hält den ganzen Tag an. Und auch am Dienstag bestehe ich nur noch aus Herzklopfen............
Um kurz nach 17 Uhr stehe ich in der Fahrschule und Mannys Frau Rosi ist gerade dabei mit einer Schülerin eine Prüfung zu planen. Mir fällt angenehm auf, das der Ton in der Fahrschule sehr herzlich und locker ist. Das entspannt mich ein wenig. Dann macht sie mit mir die Anmeldung. Zuerst sind Formalitäten dran. "Möchtest du auf Papier oder im Computer lernen". An die Theorie hatte ich gar nicht gedacht. Aber nun gut, wird also mal wieder gebüffelt. Wir verabreden auch die erste Fahrstunde für nächsten Montag, denn das Wetter soll gut sein. Oh oh, ob ich das überlebe?


Mittwoch, 
Rosi hatte gesagt, ich müsse einen neuen Sehtest haben. Also mache ich mich erst mal auf den Weg zu einem Optiker. Irgendwie habe ich das Gefühl, jede Faser meines Körpers, meines Herzens, meiner Seele..............alles elektrisch geladen. Niemandem habe ich von meinen verrückten Plänen erzählt. Obwohl ich innerlich vor Anspannung fast platze. Und damit eben dies nicht geschieht, berichte ich nun fröhlich und voller Begeisterung dem Optiker, wofür ich den Sehtest brauche. "Ich will nämlich den Motorrad-Führerschein machen" berichte ich stolz. "Aha" antwortet er gelangweilt. Es interessiert ihn nicht, es interessiert ihn absolut nicht. Dabei ist es für mich gerade das Wichtigste auf der Welt..............

Montag. 
Erste Fahrstunde.
Nun ab zur Fahrschule. Die Moppedklamotten liegen im Auto, von mir aus kann es losgehen. Herzklopfen...
In der Fahrschule schickt mich Manny in einen Hinterraum zum Umziehen.
"Na also, so siehst du doch schon ganz ordentlich aus" wird meine Lederkombi wohlwollend gelobt. Erst wird ein Tagesbericht unterschrieben und natürlich gezahlt. Dann gehen wir wieder zur Garage. Manny heute auch in Motorradklamotten.
Als er die Yamaha wieder aus der Garage schiebt wird mir ganz schlecht.
"Und die soll ich jetzt fahren?" Und man hört den Klos in meinem Hals.
Er lächelt beruhigend und sagt.
"Nee jetzt noch nicht. Zuerst fahre ich und du hinten drauf. Ich habe einen Platz zum Üben wo wir meist völlig alleine sind Höchstens mal ein weiterer Kollege, und da fahren wir erst mal hin." Mir fällt ein Stein vom Herzen, denn ich hatte mir schon Gedanken gemacht wie ich im Verkehr überleben solle ohne jede Ahnung und Fähigkeit.
Also erst mal auf dem altbekannten Soziusplatz und es geht ab zum Platz.
Wenige Minuten später steigen wir auf einem schön großen und abgeschlossenen Platz ab
Manny mußte eine Schranke aufschließen, die den Platz vom öffendlichen Verkehr trennt.
Nun sind wie alleine. 
"Leg deinen Helm erst noch mal ab, und die Handschuhe auch. Denn erst mal wird ein wenig Technik gelernt und geschoben."
Mit einer Engelsgeduld erklärt Manny mir die verschiedenen Schalter, Gas, Bremse, Kupplung. Er erklärt mir die Schaltung, nach unten, nach oben, neutral............. Ob ich mir das jemals merken kann? Und soll ich ihm vielleicht jetzt schon sagen, dass ich ständig rechts und links verwechsle?
"Und nun steige ab und richte die Maschiene auf."
Hm, nur nicht kneifen jetzt, liebe Annastasia. Also auf geht´s. Seitenständer hochklappen und schieben. Ähm, also, das wird nichts. Sie bewegt sich kein Stück nach vorne. Das liegt sicher daran, dass ich eisern damit beschäftigt bin, diese ca. 200 kg nicht seitlich auf mich fallen zu lassen. 

Manny lässt mich ein paar Sekunden kämpfen, bevor er mich dann doch gnädig erlöst. "Denk man nach, wie du dein Auto absicherst, das es nicht weg rollt. "Handbremse, aber so was hat die doch nicht, oder?" Stimmt, hat sie nicht. Was würdest du nutzen wenn du keine hast?"
"Gang einlegen" Mir geht ein Licht auf. Bin total deprimiert und mag ihn gar nicht anschauen. Aber seine lachende Stimme zieht mich schnell wieder aus der beginnenden Selbstmitleidsphase heraus. Ich fummel den Gang raus und nach einigen Versuchen finde ich den Leeerlauf und die grüne "Neutral" Lampe leuchtet.
Mit Manny an der Seite beginne ich wieder, die Maschine zu schieben. Und siehe da, nach einiger Zeit gehen wir einträchtig miteinander spazieren. Also, spazieren gehen mit Mopped kann ich schon ;-). " So, und nun ziehe mal die Vorderradbremse." Und ich ziehe. Fast hätte ich sie hingeschmissen, weil ich gegen den Lenker gelaufen bin. Es war als sei das Motorrad gegen eine Wand gefahren. Erschrocken schaue ich Manny an. Er grinst..was sonst.
"Das war wohl zu fest"
"Na klar" Ich werde ihm sein NA KLAR noch in den Hals....Behrrschung Anastasia....
"Das ganze noch mal ...aber bitte mit Gefühl"
Nein, ich muss da durch. Komme ganz schön außer Atem, bis ich endlich die Technik begreife, und nur ganz sanft die Bremse dosiere. Morgen hab ich bestimmt Muskelkater.
Dann muß ich noch am Lenkeranschlag schieben und in der Kurve bremsen.
Fast währe die Maschiene auf mich gefallen, denn sie kippt beim zu kräftigem Bremsen schlagartig in die Kurve. Nach links geht ja noch, denn da laufe ich ja, aber nach rechts.
Hätte Manny nicht eingegriffen hätte ich sie umgeschmissen und währe noch draufgefallen.
"Du siehst, bei eingeschlagenem Lenker braucht die Vorderadbreme sehr viel Gefühl."
Ich schiebe zu unseren Klamotten zurück, und es geht schon ganz ordentlich. Auch das Kurve schieben klappt inklusive sanftem Bremsen.
"So nun Helm und Handschuhe an"

Nächste Übung, Maschine anlassen, ersten Gang rein, Kupplung gaaaaaaanz langsam kommen lassen, langsam im ersten Gang anrollen, stehen bleiben. Boah, Gänsehaut! Der Sound der 70 PS, das Vibrieren des Motors, und ich sitze allein auf dieser riesigen Maschine. Ein klitzekleines zaghaftes Glücksgefühl breitet sich in mir aus. Ich fahre! Na gut, ich rolle..............Nach einigen Anfahrübungen darf ich langsam im Standgas eine Runde um den Platz drehen. "Ganz wichtig ist wo du hinschaust schau da hin wo du hin willst, und nicht zum Bordstein, oder in die Hecke, sonst landest du da." "Und was ist wenn ich wirklich mal in der Hecke lande?" Frage ich "Dann hole ich dich wieder raus." Er sagt das als sei es das selbstverständlichste der Welt.
Dann darf ich schon ein wenig Gas geben "Millimeterweise" sagte Manny, und vorsichtig in Erinnerung an die giftige Bremse gebe ich etwas Gas. Boa Ey das Ding reagiert ja auf die kleinste Bewegung und geht sofort ab. Ich nehme wieder weg und es ist als hätte ich gebremst. Ein paar Runden, und es läuft schon flüssiger. "Ich fahreeeee" brüll ich in meinen Helm. Ja wirklich das sind die ersten Meter Motorradfahren von Anastasia. Geilllll
Ich halte wieder bei Manny an und er schmunzelt "Scheint dir Spaß zu machen."
"UND WIE" Entschuldigung...das war wohl auch gebrüllt.
Nun darf ich es bis zum zweiten Gang versuchen, darf ein büschen Gas geben. Tausend Schmetterlinge hab ich plötzlich im Bauch. Das klitzekleine Glücksgefühl wird größer und ich kann ein Grinsen einfach nicht unterdrücken. Ich, Oma Anastasia, sitze auf einer 600er Yamaha, habe sie gestartet und fahre langsam über den Platz. Und genau jetzt, wo es beginnt, mir Freude zu machen, ist die erste Stunde zu Ende. "Reicht für heute", sagt Manny, übernimmt die Maschine und wir fahren zurück.
Ich sitz hinten drauf und gehe in Gedanken meine Termine und Arbeitszeiten durch mit nur einem Ziel....Wann kann ich wieder fahren... Ich bin Infiziert. Der Motorradbazillus sitzt, es hat mich erwischt.


Es ist Dienstag Abend kurz vor 19.00 Uhr. Theorie ist angesagt.
Als ich die Fahrschule betrete ist schon einiges los. Mannys Frau, die das Büro führt hat volles Programm mit Planungen und ich warte brav bis ich dran bin. Ein paar Fragen sind noch zu klären, und dann nehme ich im Unterrichtsraum Platz.
Kühle und auch warme Getränke sind da und die Grundnahrung für Mannys Nerven stehen auf den Tischen : " Gummibärchen "
Ich fühle mich wie eine alte Frau unter den ganzen Jugendlichen. Aber das legt sich bald, als Rosi mit ein paar Fragen kommt und die Jugendliche bemerken, das ich den Motorradführerschein mache. Erstaunte Blicke und mir wird klar, das ich ja wieder meine "Arbeitskleidung" trage. Na gut, das passt nicht so recht.
Als Manny kommt bekomme ich ein Lächeln und werde gleich mal eingeführt.
"Mal ein paar kleine Hinweise für unsere Neuen" Höre ich von ihm "Warme Getränke bekommt ihr an der Tassimo, aber fragt mich nicht wie das geht, ich kann da nur Kakao, und die kalten wie Cola Fanta oder Wasser steht im Kühlschrank. Gläser sind darüber im Regal. Pötte für Kaffee ebenfalls. Ist alles zur freien Verfügung."
Nachdem die Bürozeit beendet ist und das Licht etwas gedimmt, strahlt uns ein 3 Meter Bildschirm an und es geht los.
Es wird spannender als ich dachte, und immer wieder erwische ich mich dabei, das ich so einige Regln nicht mehr oder noch nicht weiß.
Immer wieder werde auch ich angesprochen, denn ich habe ja auch schon den B Führerschein. Und so langsam fühle ich micht wie Mama die ihre Küken um sich herum hat. Mit einer kurzen Verspätung kommt noch ein älterer Fahrschüler, der ebenfalls Motorrad macht. Nun bin ich nicht mehr die Fahrschulmama. Uwe ist warscheinlich noch etwas älter als ich.

Die 2. Fahrstunde.
Ich sitze wieder hinten drauf. Ich erwische mich beim Träumen, als wir über die Autobahn nach Wattenscheid fahren. Manny fährt zwar nicht langsam aber schön weich, ohne Gerukkel und Beschleunigungsorgien, wie ich sie von meinem Mann so kenne. Ich fühle mich wohl hinten drauf, und bin schon fast endtäuscht als ich absteigen muß, denn wir sind da.
Ich fahre mich erst mal etwas ein, und dann kommen die nächsten Übungen. Gänge rauf und runter schalten, anfahren anhalten und um die Kurven. Immer wieder setzt sich Manny vorne drauf, und ich rutsche nach hinten, und er zeigt mir was Neues. In die Kurve legen und dann das Drücken. Und dann kommt der nächste Schock. Manny hat bemerkt, das ich das Motorrad viel zu fest halte." Sanft führen, aber nicht zwingen." meint er. " Das ist wie in einer guten Beziehung" kommt da grinsend. "Du willst das dein Partner, einen bestimmten Weg geht. Er ist schwerer und viel stärker als du. Also wenn du ihn versuchst zu zwingen wird er Bokkig. Zeige ihm sanft den Weg und führe mit Gefühl. Dann wird er ganz von selbst da hin gehen wo du ihn haben willst."
Wo er recht hat, hat er recht. Und als ob er meine Gedanken erraten könne kommt noch. "Einen Mann mit Gefühl um den Finger zu wickeln dürftes du doch hin kriegen" "Na klar" sag ich mit breitem Grinsen, und erschrecke gleichzeitig...ich nutze nun schon seine Sprüche. Wer wickelt hier eigendlich wen...aber lassen wir das: wir waren bei dem Schock.
"Ich zeig dir was." Manny fährt los und beshleunigt auf etwa 50, ich hinten drauf. "Und nun pass auf." Er lässt den Lenker los, und die Maschine läuft sauber geradeaus. Sie wird langsamer und so unter 25 fängt sie an zu pendeln. "Siehst du, über 25 ist sie eigenstabil. Erst unter 25 läuft sie dann aus der Spur." Er fängt die Yamaha wieder ein und sagt. "Wenn du also auf der Geraden bist beschleunigst du auf etwa 40 und lässt dann den Lenker los. Du wirst sehen, die Karre läuft sauber geradeaus weiter." Ich muß ihn angeschaut haben wie eine Kuh wenns blitzt. "Ich soll das machen???" " Na klar" ich hasse dieses ...na klar....
Ok ich raffe meinen ganzen Mut zusammen, und mache was von mir verlangt wird. Und es klappt. Es ist eigentlich gar nicht schwer. Ich beginne lockerer zu sitzen und krampfe mich nicht so sehr am Lenker fest wie in der ersten Stunde. Der Muskelkater am nächsten Tag ist mir noch in Erinnerung. Es klappt immer besser. Das Motorrad macht immer präzieser das was ich von ihm will.
Es kommen immer mehr Übungen, wie anfahren und Bremsen mit mehr Schwung und Druck, anfahren im Bogen und anhalten im Bogen. Einmal komme ich beim Bremsen mit eingeschlagenem Lenker ins Kippen. Ich kämpfe um die Maschiene zu halten und Manny rettet mich. "Stell beim Anhalten die Füße so weit wie nur möglich vom Motorrad weg ab, um so mehr Kraft hast du es zu halten wenn es kippt." Hmm klingt logisch "Hast du die Füße zu nahe am Mopped knickst du um" "Diesmal warst du nahe genug dran um mir zu helfen. Was ist wenn ich die Maschiene umschmeiße?" Dann machst du Plups und bist ein gefallenes Mädchen" kommt da trocken. "Sieh zu das du dich gut abrollst, und halte dich nicht am Mopped fest. Da du gute Klamotten an hast wirst du dir wahrschenlich nicht weh tun." "Ich will sie nicht kaputt machen" Sag ich. " Wer will das schon, aber wozu glaubst du hat sie diese stabilen Sturzbügel. Die fangen eine Menge ab." Ich schaue hinuter zu den Bügeln, und sehe die Kratzer. "Die haben wohl schon einiges abgefangen" "Na Klar, und irgend wann werden sie auch bei Dir ihren Job machen." Na der macht mir ja Mut.

In den Folgenden Fahrstunden nehmen wir Hütchen mit. Verkehrsleitkegel heißen die Dinger. Und ich beginne die Übungen zu lernen. Slalom fahren, Kreise, Ausweichen, Bremsen, Balancieren, Stop and Go, und Gefahrbremsung. Jede Übung fährt mir Manny vor und zeigt mir worauf es an kommt. Ich fühle mich steif wie ein Brett "Einknicken in der Tallie" höre ich immer wieder. Und irgend wann stehe ich mit Manny auf dem Platz und wir tanzen einen Blues. "Es ist wie beim Tanzen, du fühlst wie dein Partner sich bewegt, und gehst mit. Es entwickelt sich ein Rytmus. Auch wenn du auf einem Pferd reitest passt du dich den Bewegungen der Tiers an. Du führst es nur, aber laufen tut es selbst. Genau so ist es auch auf dem Mopped, du führst es nur, fahren tut es selbst." Wenn uns hier einer sieht. Ich tanze mit meinem Fahrlehrer auf dem Platz rum. In voller Ledermontur und Helm. Aber so albern das aussehen mag, es wirkt. So langsam werde ich lockerer. Es klappt immer besser, und bald höre ich auch ein "Jau ...so muß das aussehen!" Ich bin stolz auf mich. Die Sprüche wie "Tut mir leid das ich dir das sagen muss, aber :Beweg deinen Hintern!" oder "Deine Bewegungen sind in etwa so schnell wie die eines Koala auf Valium." Hätte ich jedem andern übel genommen, Manny nicht. Sie kommen so trocken und mit Situationskomik, das ich eher lachen muss. Als ich beim Ausweichen die Kiste nicht weggedrückt kriege und mich verzweifelt rüberwerfe, kommt: "Du zuckst wie ein Kaninchen auf Extasy" Unterm Helm strecke ich ihm die Zunge raus als ich vorbeifahre. Er kann es ja nicht sehen..Denke ich.
Wieder und wieder setzt er sich vorne drauf und macht es mir vor. "Sei locker in der Tallie. Das bischen Tallie kannst du doch wohl leicht bewegen, wenn du dagegen meine siehst und ich bewege sie auch." Um ihm auch mal einen Spruch reinzuwürgen sage ich "Deine ist besser geschmiert." Er bricht in Gelächter aus und meint: "Gut gekontert". Aber schnell wird er wieder ernst und erklährt:" Beim Slalom ist es wie ein Tanzen im Rhytmus. Weich und rund. Beim Ausweichen ist es eine harte , panische Bewegung. Da mußt du schlagartig zur Seite weg. Die Bewegung muß aus den Armen und Schultern kommen, und nicht den Oberkörper rüberwerfen und das Motorrad nachziehen wollen. Du wiegst gerade man 60 Kilo mit Kleidung, das Motorrad 200. Meinst du da kannst du mit deinem Körpergewicht viel ausrichten?. Bringe Das Motorrad durch den Gegenlenkimpuls ins Ungleichgewicht damit es dahin kippt wo du es haben willst, und es wird deine 60 Kilo locker mit nehmen. Das Motorrad wird sofort versuchen das Gleichgewicht wieder herzustellen und das Vorderrad wieder unter den Schwerpunkt lenken. Das geschieht völlig automatisch. Und um so höher die Geschwindigkeit um so mehr Kraft brauchst du um es aus der Spuhr zu lenken. Es kommt ein Schlenker um das Hinderniss herum und genau das willst du ja."
Nach ein paar untauglichen Versuchen mit gewissen Koordinationsschwierigkeiten klappt es dann auf einmal. Ich bin wie elektrisiert, denn ich staune wie leicht es geht, wenn man erst mal begreift, wie es geht.
Ich sitze auf einmal viel lockerer, und meine Freundschaft mit der Yamaha erreicht ein neues Level.
Bei der Gefahrbremsung soll ich bis zum Stillstand scharf bremsen. Einen möglichst kurzen Bremsweg erreichen. "Was ist wenn das Vorderrad blockiert.?" Frage ich. Manny ist ungewöhnlich ernst als er antwortet: "Bei vielen Motorrädern tuts dann weh, denn du fällst auf die Nase. Bei der XJ6 ist es nicht so gefährlich, weil sie ABS hat." Ah ja...kenne ich vom Auto, das verhindert das Blockieren der Räder beim Bremsen" "Stimmt.. Und das hilft schon sehr. Aber es gibt da noch eine andere Gefahr, wenn du kurz vor dem Stillstand bist kann das Hinterrad abheben, du machst einen Stoppie. Und wenn es dann wieder runter kommt solltest du schön gerade sein, sonst kannst du sie nicht mehr halten und kippst um."
Na klasse denke ich und fahre los. Vorsichtig breme ich das erste mal ab. "Steiger bei der Bremsung immer mehr den Druck, vor allem am Vorderrad. Hinten bremst du nur leicht, denn um so besser du vorne bist um so leichter wird sie hinten und um so schlechter bremst sie da." 
Ok ich steiger den Druck, und stehe. Fast währe ich gekippt. Manny meint "Albatros Airlines ist gelandet. Wenn du die Füße so früh schon von den Rasten nimmst verlagerst du Gewicht, und kommst ins Ungleichgewicht. Deshalb das Kippen." Aber ich muß doch die Füße runter nehmen." "Nicht so lange du noch in einer Längsbewegung bist. Im Grunde erst wenn die Maschiene wieder ausfedert. Wichtig auch weit zu schauen. Fixiere einen Punkt weit voraus und starre stur darauf, dann beibst du gerade." Ich versuch es, nehme aber immer wieder zu früh, ängstlich zu kippen, die Füße von den Rasten. "Komm her und gib mir mal das Mopped." Ich steige ab, und Manny stzt sich drauf und fährt weg. Er fährt einen Bogen und kommt auf mich zu. Er bremst, bleibt stehen, und nach etwas 3-4 Sekunden fährt er wieder los. Seine Füße waren die ganze Zeit auf den Rasten. Immer wieder hält er an, steht, und fährt erst wieder los als die Yamaha anfängt zu kippen. Als er wieder bei mir hält frage ich: "Wie lange fähst du schon Motorrad?"
"So um 40 Jahre." grinst er. Na Toll. "Aber du siehst, wenn man sauber gerade bleibt, dauert es doch recht lange, bis das Motorrad anfängt zu kippen, das kommt nicht plötzlich. Fühle, wo es hin kippt, und nehme dann diesen Fuß herunter.
Ich probiere es immer wieder und auf einmal bleibt die Maschiene fast stehen, und ich nehme erst die Füße runter als sie kippt.

Wieder ist die Stunde vorbei und es geht nach Hause. In mir ist ein tiefes Glücksgefühl, denn ich habe nun den festen Glauben....das klappt!!!. Das kriege ich hin!!!!

Am Wochenende kann ich meine Klappe nicht mehr halten, und eröffne meinem Mann meine Pläne.
Zuerst schaut er mich ungläubig an. "Und du meinst du kriegst das hin, bei deiner Größe???"
"Ich will Motorrad Fahren und nicht stehen." Nutze ich Mannys Argumente. Und außerdem gibt es eine Menge kleiner Motorräder. Im Augenblick fahre ich eine XJ6."
"Na Ja ...warten wirs ab." Ein wenig mehr Begeisterung und Vertrauen zu mir könnte er schon zeigen...
Aber Egal: einer mehr dem ich es beweisen werde.

Ich habe wieder Fahrstunde.
Als ich in der Fahrschule ankomme sitzt Manny ohne Motorradklamotten am Scheibtisch.
Mir wird klar, heute wird es ernst. Ich werde im Verkehr fahren.
Nach den üblichen Formalitäten kriege ich Funk auf die Ohren, und kann Manny nun über die Ohrhörer hören. Zudem noch die Fahrschulweste, damit man uns als zusammengehörig erkennt.
Mir ist etwas schwummerig. Ein merkwürdiges Gefühl breitet sich in mir aus. Ein heiden Respeckt mit freudiger Erwartung.
Mensch Anastasia...dafür machst du das Ganze doch, versuche ich mich zu puschen.
Und dann geht es los. Wir fahren über eine breite Vorfahrtstraßen aus der Stadt, und auf eine Landstraße mit leichte Kurven.
Manny mit seinem Mercedes hinter mir. Hin und wieder höre ich seine Stimme wenn er sagt wo ich lang soll, oder eine Kleinigkeit zu korrigieren ist. Mein leichtes Angstgefühl vom Anfang ist weg, und das Glücksgefühl wird immer stärker.
Wie Geillllll ist das denn!!!!
Jaaa nun weiß ich warum ich das tue. Es ist einfach soooo schööööön.
Ich weiß, ich kann schwärmen wie ich will ihr werdet es nicht verstehen, wenn ihr das Gefühl nicht kennt. Man muß es erlebt haben.
Und so geht es weiter. Immer mehr Sicherheit gewinne ich von Kurve zu Kurve und als die Fahrstunde zu Ende ist schiebe ich die Yamaha zum ersten mal selbst in die Garage. Als ich abgestiegen bin und den Helm abnehme, habe ich ein paar Tränen in den Augen. Ich lege den Helm ab und drehe mich zu Manny um, und kann nicht anders: ich fliege ihm um den Hals, und knuddel ihn.
"Danke" flüster ich in sein Ohr, und er sagt " Freu dich nicht zu Früh, da kommt noch viel viel mehr, das war nur der Anfang. Nun gehts richtig los." Als wir zur Fahrschule zurückgehen sag ich " Du kannst dir nicht vorstellen, wie ich mich auf die nächsten Fahrstunden freue. Bisher war immer noch so ein wenig Zweifel, ob ich das auch draußen schaffe, aber die sind jetzt wie weggeblasen." Er meint lächelnd "Das ist schön, werde aber nicht zu euphorisch, behalte deinen Respekt, denn es muss dir klar sein, das Motorradfahren eine sehr schöne aber auch gefährliche Art der Fortbewegung ist." Und dann kommt das alte Grinsen wieder als er noch sagt: "Es ist wie mit vielen Dingen im Leben die Spaß machen. Sie sind entwerder gefährlich, unmoralisch, oder machen Dick. Darum genieße sie in Maßen und behalte immer den Kopf oben."

Und es geht weiter. Erst noch ein paar Lektionen auf dem Platz, die Übungen perfektionieren, aber dabei fahre ich selbst dort hin.
Und dann kommen die "Sonderfahrten" Autobahn, Landstraße und Beleuchtung.
Manny teilt die 12 Stunden in 3 mal 4 auf, und fährt selbst mit dem Motorrad mit. Einer riesigen GSX 1100 G. Er sagt "Einspuhrpanzer" zu dem Teil.
Und er hatte recht, als er sagte, das währe nur der Anfang. Das Glücksgefühl ist noch steigerungsfähig.
Autobahn ist eigentlich eher langweilig, und nur anstrengend. Landstaße ist der Burner. Kurven in allen Variationen, herrliche Strecken durch die Wälder der Hardt und durch die Elfringhauser Schweiz, bis ins Bergische hinein.
Ich wußte gar nicht wie schön die Umgebung von Essen ist.
Das Motorrad läuft immer mehr wie alleine und ich kann die Fahrten genießen.

In der Beleuchtungsfahrt sind wie in den Wäldern der Hardt und Manny biegt in einen kleinen Feldweg ab. "Pause" kommt es über Funk. Wenige Meter weiter ist ein großer Parkplatz, Kaninchen flitzen vor uns durch den Scheinwerferkegel. Wir stellen die Motorräder ab, und es ist Stockfinster. "Nun wollen wir mal sehen ob ein paar Freunde von mir da sind" höre ich Manny neben mir.
Der Strahl eine Taschenlampe flammt auf, und wir gehen zu einem Zaun. Etwa 2 Meter vor mir hinter dem Zaun sehe ich ein riesiges Wildschwein, das grunzend in unsere Richtung schaut und neben ihm ein paar kleine Frischlinge. "Sind das deine Freunde " Frage ich lachend, " Ja auch, aber nur entfernt" Sagt Manny. Ahha, denke ich da kommt noch mehr. Der Strahl der Taschenlampe wandert weiter, und da sehe ich ein Rudel Hirsche, Ganz schöne Brocken, die missmutig zu uns schauen, weil wir sie stören.
"Sind das nicht herrliche Tiere" sagt Manny " Das ist hier ein Wildpark, und dort hinten" Der Strahl der Taschenlampe schwenkt weiter und wird auf einmal ganz klein gebündelt. "Sind hinter dem Stahlzaun meine Freunde" Ich sehe nur einen massiven Zaun und Gebüsche. "Mal sehen, ob sie bereit sind sich zu zeigen." Der scharf gebündelte Strahl streift am Zaun entlang. Auf einmal sagt Manny "Da schau" und tatsächlich sehe ich das gelbe Leuchten von zwei Augen. Und dann noch Zwei. "Da sind sie" sagt Manny.
"Mal sehen ob sie mit mir sprechen..." Hä was wer soll mit ihm sprechen, ich sehe nur 4 Lichter. Doch was das für Tiere sind sehe ich nicht. Neben mir fängt Manny an zu heulen wie ein liebeskranker Hund. Na ja, etwas merkwürdig war er schon immer , aber das, denke ich. Doch nach einigen Heulern kommt Antwort. Mir jagt es einen Schauer über den Rücken, als ich das höre. Und dann kommen die Tiere aus dem Gebüsch an den Zaun, und immer wieder heulen sie mit Manny. Es sind Wölfe. "Manny, der mit dem Wolf spricht" sage ich völlig fasziniert. "Sind sie nicht schön!" sagt er. Was für ein Abenteuer. Wenn ich das heute abend zu Hause erzähle glaubt mir das keiner.

Nach den Sonderfahrten bin ich so weit die Prüfungen an zu gehen. Zuerst mal die Theorie.
Mannys Frau Rosi hat mich gewarnt die Fragen der Verkehrsregeln nicht zu leicht zu nehmen, weil ich doch schon einen Führerschein habe. Und promt haue ich genau da einen Fehler rein. Aber es reicht trotz dem.
Bestanden!

Für den praktischen Teil fahren wir nun immer wieder die Strecke vom TÜV zum Platz, wo die Übungen gefahren werden.
"Es giebt keine "Prüfungsstrecke", aber die Auswahl an Wegen zum Platz ist nicht groß, so ist die Change, das du den Weg fährst den wir üben durchaus gegeben." Schön, die Regel sind überall gleich, und so ist es eingentlich egal wo der Prüfer lang will. Ich bin gerüstet. Und seit ich mir über die Fahrzeugbedienung des Motorrades keine Gedanken mehr machen muß, weil es aus dem Gefühl heraus fuktioniert wie beim Auto, habe ich auch den Verkehr wieder im Griff.
Und immer wieder die Übungen. Kreise fahren klappt schon ganz gut. Der schnelle Slalom ist easy, auch das Ausweichen kriege ich gut hin. Nur das Stop and Go... da verzappel ich immer wieder. Dabei ist es so einfach. Ich soll nur anfahren und anhalten, und einen Fuß auf den Boden. Und immer zwei mal hintereinander den Gleichen und dann wechseln. Und natürlich die Gefahrbremsung. Und da ist Manny gnadenlos. "Das muss sitzen...du bekommst im Verkehr keine zweite Change wenn da einer vor deine Nase zieht. Entweder du bremst sauber oder knallst rein" Ich habe immer noch Angst vor dem Stoppie, und bin zu zaghaft. Manny setzt sich immer wieder vorne drauf, und wenn er bremst klebe ich an seinem Rücken. Und dann geht das Motorrad auch hinten hoch. Ich schwebe förmlich in der Luft und knalle wieder in den Sitz. "Siehst du ...das war ein Stoppie. So lange du gerade bist passiert nix. Kurz vor Stillstand gibst du vorne noch einen Tick mehr Druck, und so stellst du fest ob noch was geht, und um deinen Fahrer als Sozia nicht auf den Tank zu schieben ...stütze dich doch mit den Händen beim Bremsen am Tank ab."
Ich versuche es, und nach einigen Bremsungen stelle ich fest, das da noch einiges geht, bis der Tick mehr für einen kleinen Hüpfer des Hinterrades sorgt. "War das ein Stoppi?" "Na klar, wenn auch nur ein kleiner. Aber nun weißt du was maximal geht." und er fügt ernst hinzu "Weißt du, ich will das meine Schüler nicht nur gerade so ausreichend fahren um die Prüfung so eben zu bestehen, sondern so gut, das sie die Prüfung locker bestehen und im Verkehr auch bei schwierigen Situationen blitzschnell die richtigen Entscheidungen treffen und auch körperlich reflexmäßig durchzieen. Wenn ich das Gefühl habe, das du recht sicher in den Verkehr geschickt werden kannst, dann bist du so weit."

Und dann kommt der Tag X. 
Vor der Prüfung fahren wir noch mal vom TÜV durch Kray zum Platz, und gehen die Übungen durch.
Dann über die Autobahn zurück, Frillendorf runter und zum TÜV. Dort angekomme Helm ab und warten.
Dann kommt der Prüfer. Man merkt gleich an der Begrüßung, das Manny und der Prüfer sich schon lange kennen.
Der Personalausweiß wird kontrolliert, und die technische Frage gestellt.
"Wozu ist der Rote Knopf da an der rechte Schaltereinheit?"
Ha... weiß ich " Das ist der Notaus."
"Und warum sollte man den nutzen? Man macht das Motorrad doch normalerweise über den Schlüssel aus."
"Da bleibt das Licht an" Sage ich. "Stimmt.. perfekt...so Helm auf und fertig machen."
Mir zittern beim zu machen des Helmriemens die Hände.
"Manny ...sag mal was" rufe ich, um den Funk zu testen.
Von Manny kommt "Was" Wie immer macht er zu genau was man sagt, denke ich.
Und dann geht es los. Schön die Stopschilder auf dem TÜV Gelände beachten, und vor der Haltlinie halten.
Mir schwirren tausend Sachen durch den Kopf. Und wir fahren durch Kray zum Platz.
Da ...Sackgasse, ich zeige auf das Schild "wollen wir nicht rein" kommt über Funk.
Und da Verbot der Duchfahrt, ich beige ab und bald sind wir auf dem Platz.
Manny baut die Übungen auf, und ich fahre schon mal die Übungen für die man keine Hütchen braucht.
Der Prüfer sagt mir was er sehen will, und ich lege los. Die Gefahrbremsung wird klasse, das Motorrad sprigt auf den letzten Zetimetern doch glatt hinten hoch.
Das Stop and Go hat noch nie so gut geklappt.
Ich schwinge durch den Slalom, und sehe das Manny schon wieder abbaut.
Noch das Ausweichen mit Bremsen und schwup ist es erledigt.
Ich habe keine Übung versaut, kein Hütchen umgemäht.
Ich bin stolz das schon mal hingekriegt zu haben.
Ich sehe wie die Beiden wieder einsteigen, und schon kommt über Funk die Anweisung. "Und weiter gehts. Wir fahren über die Autobahn den üblichen Weg zurück." In der Autobahnauffahrt erinner ich mich noch mal an Mannys Worte, immer schön rechts zu bleiben und auf der Geraden gut schauen und dann Attacke. Beim TÜV wieder angekommen steige ich ab, und muß noch die Yamaha mit dem Lenkerschloss sichern.
Mannys Miene ist undurchschaubar, und der Prüfer schaut mich an und meint. "Und was war mit der roten Ampel?" 
"ÄÄÄÄÄ Was" Mir rutscht das Herz in die Hose und es wird mir eiskalt. Ich schaue zu Manny "Rote Ampel???" doch er schaut nur zum Himmel und verdreht die Augen. "Die hamse gesehen, sind ja auch stehe geblieben" Kommt da vom Prüfer. OHHH diese Schweinehunde. Nun Lachen sie sich eins während ich die Schnappatmung kriege. Ich kann mich kaum beruhigen während der Prüfer das Datum in den neuen Führerschein einträgt. "Nee, sie sind schon sauber gefahren, ganz so wie ich das von Mannys Schülern gewohnt bin."

Ich hab Ihn...halte ihn in Händen. Und Manny steht, natürlich grinsend, vor mir. Nun muß er herhalten...ich fliege ihm an den Hals uns drücke ihn ganz fest.
Nach dem Freudenausbruch komme ich so langsam wieder auf den Boden und ziehe mich an, denn ich muß ja noch die Yamaha zur Fahrschule fahren. Manny ist schon weg, und ich fahre alleine zur Fahrschule. Alleine Leute alleine, ohne Funk, ohne einen Fahrlehrer dabei.
Als ich an der Fahrschule ankomme ist die Garage schon aufgeschlossen und ich fahre direkt hinein.
Schweigend gehen wir zusammen in die Fahrschule. Den Funk wegräumen, und die Fahrschulweste ausziehen.
Dann stehe ich vor Manny und sage. "Weisst du noch als ich hier zum ersten mal in Mini und Pumps vor dir stand" "Na klar" sagt er leise und lächelt sanft. "Ich hatte eine scheiß Angst, und nun...bin ich glücklich und traurig zugleich. Glücklich es geschafft zu haben, und traurig , das es nun vorbei ist." Er lächelt und sagt.."Machs gut Kleines und besuch mich mal mit oder auch ohne dein Motorrad." Wir drücken uns noch mal und ich gehe.

Am Nachmittag gehe ich noch mal in die Firma, und meine Chefin kommt in mein Büro: "Na alles klar gegangen bei deinem Thermin?"
"Ja ...erfolgreich abgeschlossen." Grinse ich sie an. "Nun erzähl schon ...ich platze vor Neugier." Meine Chefin ist gleichzeitig auch meine beste Freundin, und eigendlich erzähle ich ihr fast alles. Doch nun kommt ein Augenblick auf den ich mich schon lange freue. Ich nehme den Zettel von ihr aus dem Portmonai, und breite ihn betont langam vor ihr aus. "Na und, kenne ich doch" und da lege ich den Führeschein auf den Zettel. Sie starrt diesen an, nimmt ihn und liest laut: "Klasse A....AAA du hast den A gemacht, den Motorradführerschein??? Breit grinsend nicke ich und sage "Na klar" Sie zuckt zusammen und fragt,: "Bei welcher Fahrschule warst du?" "Mannys" sage ich, und sie bricht in Gelächter aus "Kennst du ihn" "Na klar" Lacht sie "In der Ruhe ligt die Kraft, sagenhaft was man dann schafft." Auf dem Flur höre ich sie noch rufen: "Wer Manny nicht kennt hat die Welt verpennt"

Nachtrag:
Nun ist meine Fahrschulzeit schon eine Weile her, und ich habe so einige Touren hinter mir, und Ärger mich nur über eines:
"Warum habe ich das nicht viel früher gemacht!"
Ich habe mir eine FZ6 gekauft und viel Spaß damit. Die kleine Maschiene hat noch ein paar PS mehr als die XJ6 und ist genau so leicht zu fahren. Mein Mann hat manchmal ganz schön zu arbeiten, wenn er mit seinem schweren Bock mitkommen will. Ja ich habe mir einen Traum erfüllt, und bin richtig glücklich damit.....aber ich vemisse die Sprüche.