Bimota Due-Dieci - die italienische Leidenschaft 

Angezogen mit Lederkombi, Stiefeln, den Helm in der Hand betrittst Du die Garage. Du nimmst die Abdeckplane weg und ihre wunderschönen Formen kommen zum Vorschein. Die niedrige Front mit der analogen klassischen Anzeige, die gefräste Gabelbrücke, der schmale Tank, die Sitzbank gleicht einer schlanken Taille und das Heck formschön und auf das nötigste reduziert. Die knapp sitzende Verkleidung wird von silbernen Schnellverschlüssen gehalten und die sich neben die Sitzbank schmiegenden Thermignoni verheißen geradezu audiophilen Genuss. Das ganze Motorrad strahlt unbändige Kraft und grazile Schönheit aus.

Du setzt Dich drauf und es ist ein Gefühl wie Einrasten. Kein Komfortsessel, das ist klar, aber dafür ein mit Speed im Blut gebautes Rennaggregat. Gezähmt für die Strasse. Irgendwo im Kopf wird ein Schalter umgelegt und die Welt ringsherum existiert nicht mehr.

Der Druck auf den Startknopf lässt den 4 Zylinder unter Dir losbrummeln. Kein leises Säuseln, auch kein kreischendes Gejammer - es ist ein dunkler, kraftstrotzender Sound, der das akustische Inferno höherer Drehzahlbereiche erahnen lässt.

der Gang klackt ein und los geht es.

Der Weg aus der Stadt wird von heftigster Selbstbeherrschung begleitet. Die Diva will erst warm werden und zurückhaltender Umgang mit dem Gas ist geboten. Auf dem kurzen Stück Autobahn lässt die Selbstbeherrschung langsam nach. Kurze Beschleunigungsorgien verweisen Bürgerkäfige auf die Ihnen gebührende rechte Spur. Da, schon die Abfahrt, hoffentlich ohne 4-rädrige Pylonen. Und endlich die Landstraße, Kurve um Kurve saugen sich die Reifen am Asphalt fest und verwandeln sich in klebriges Gummi.

Auf der Hausstrecke dann ein erster Kontrollrundgang, vorschriftsmäßiges Durchrollen im Herrensitz mit nicht mehr als 3000 Touren. Man weiß ja nie, wo sich das wachsame Auge und Ohr der Rennleitung heute auf die Lauer gelegt hat.

Ok, die Strecke ist frei!

Du ziehst das Gas auf und die offene Racing-Anlage von Termignoni entfaltet ihr akustisches Inferno, die Airbox faucht Dich an und der 4 ZYlinder reißt Dich brutal nach vorn. Die erste Kurve fliegt auf Dich zu, Du legst die Bi um und Dein Weltbild verschiebt sich mit. Wie auf Schienen fährt sie durch, Du hängst daneben und blickst scharf an der Verkleidung vorbei zum Kurvenausgang. Rausbeschleunigen, Umlegen, nächste Kurve! Hin und wieder schrabbelt das Knie über den Asphalt und verstärkt das Glücksgefühl in Deiner Brust. 

Bürgerkäfige mit Hut-bewehrten Sonntagsfahrern am Steuer auf dem Weg zum Familientreffen sind mit kurzem Dreh am rechten Griff schnell Vergangenheit. Und ab und zu fliegt ein ähnlich Gestörter an Dir vorbei.

Eine ganze Weile später rollst Du zum Parkplatz, Zündung aus, absteigen . Der Motor strahlt Wüstenwind-ähnliche Hitze aus und knistert leise. Die Reifen schimmern bläulich angelaufen. Mit leicht zitternden Händen fingerst Du den Helmverschluss auf und nimmst ihn ab.Du schaust Dir Deine Grazie an... und denkst an bella Italia.
Gibt es etwas schöneres?