Bei den Beratungen zur 3. EG-Führerscheinrichtlinie ist es nicht gelungen, eine einheitliche und eingängige Regelung für das Mitführen von Anhängern hinter Zugfahrzeugen der Klasse B zu erzielen. Einerseits dürfen Anhänger bis 750 kg zulässiger Gesamtmasse (zG) auch dann mitgeführt werden, wenn die zG des Zugfahrzeugs 3,5 t beträgt und so eine zG der Kombination von 4,25 t entsteht. Andererseits darf das zG der Kombination auch künftig nur 3,5 t betragen, sofern die zG des Anhängers mehr als 750 Kilo beträgt.

Mit dieser nicht ohne Weiteres sinnfälligen Regelung hätte man leben können, wenn nicht auch in der Richtlinie stünde, die Mitgliedstaaten müssten bei der Umsetzung der Führerscheinrichtlinie eine Regelung schaffen, die das Führen von Fahrzeugkombinationen bis 4,25 t zG mit Klasse B erlaubt. Dabei wurde eine geniale Idee geboren: die Führerscheinklasse B mit der Schlüsselzahl 96. Damit soll sozusagen die Lücke der Fahrberechtigung vom 3,5-t-Zug der Klasse B zum echten Klasse BE-Zug geschlossen werden.

Schulung ohne Prüfung.

Diese Führerscheinklasse soll auf Antrag erteilt werden, wenn der Betroffene an einer siebenstündigen Schulung teilgenommen hat, die zum Teil außerhalb des öffentlichen Straßenverkehrs stattfinden soll; alternativ hierzu käme laut Richtlinie eine auf einer solchen Kombination bestandene praktische Fahrerlaubnisprüfung in Betracht. Außer sich für das eine oder andere zu entscheiden, bleibt den Mitgliedstaaten auch die Freiheit, sowohl die Schulung als auch die praktische Prüfung vorzuschreiben. Ich bin mit vielen Fachleuten darin einig, dass diese Klasse überflüssig ist, weil sie nur für sehr wenige Fahrzeugkombinationen infrage kommt. Außerdem ist eine Ausbildung der Klasse BE in der Regel auch nicht wesentlich aufwendiger als die von der EG vorgeschriebene siebenstündige Schulung. Ehrlich wäre es deshalb, den an dieser Klasse interessierten Personen klarzumachen, dass sie, sollten sie zu einem späteren Zeitpunkt einen etwas größeren Anhänger mitführen wollen, trotz der absolvierten sieben Stunden doch noch die Klasse BE erwerben müssen. Die EG-Richtlinie verpflichtet aber alle Mitgliedstaaten, diese Klasse einzuführen.

 

 

Die neue Anhängerklasse B96

Klasse B mit der Schlüsselzahl 96

 

(1) Die Fahrerlaubnis der Klasse B kann mit der Schlüsselzahl 96

erteilt werden für Fahrzeugkombinationen bestehend aus einem

Kraftfahrzeug der Klasse B und einem Anhänger mit einer zulässigen

Gesamtmasse von mehr als 750 kg, sofern die zulässige Gesamtmasse

der Fahrzeugkombination 3 500 kg überschreitet,

aber 4 250 kg nicht übersteigt.

Die Schlüsselzahl 96 darf nur zugeteilt werden, wenn der Bewerber

bereits die Fahrerlaubnis der Klasse B besitzt oder die

Voraussetzungen für deren Erteilung erfüllt hat;

in diesem Fall darf die Schlüsselzahl 96 frühestens

mit der Fahrerlaubnis für die Klasse B zugeteilt werden.

 

(2) Das Mindestalter für die Erteilung der Fahrerlaubnis der Klasse B

mit der Schlüsselzahl 96 beträgt 18 Jahre, im Fall des Begleiteten

Fahrens ab 17 Jahre nach § 48a 17 Jahre.

 

(3) Für die Eintragung der Schlüsselzahl 96 in die Fahrerlaubnis

der Klasse B bedarf es einer Fahrerschulung.

Theorie: 2,5 x 60 Min.
Praktische Übung: 3,5 x 60 Min.
Fahrpraktische Übungen: 1 x 60 Min.Überlandfahrt: 3

 

(4) Beim Antrag auf Eintragung der Schlüsselzahl 96 in die Klasse B

ist vor deren Eintragung der Nachweis einer Fahrerschulung nach

dem Muster nach Anlage 7a beizubring