Was macht das Motorradfahren aus?
Geschwindigkeit, Beschleunigung, Rebellion, Sehnsucht, Freiheit, Liebe, Sex und Tod.
Aber was erzeugt die Lust?
Die Straße krümmt sich. Ein winziger Dreh des rechten Handgelenks und die Maschine schnellt vorwärts. Mühelos und kontrolliert. Die Augen des Fahrers tasten die Straße ab. Die führt steil bergauf, verengt sich zu einem schmalen Asphaltband. Runterschalten, gucken. Nichts in Sicht außer dem vertrauten Mittelstrich. Scharfe Kurve! Abbremsen, reinlegen, Gas geben – rhythmisch, immer wieder. Da Schotter! Wo Gummi die Straße berührt ist Improvisation unvermeidbar. Nach der nächsten Kurve kann vieles lauern. Kein Platz für müßige Gedanken. Alles dreht sich um den Tanz auf der Straße, der den Fahrer befreit – von der Zukunft, die ihn erwartet, und von der Vergangenheit, die ihn belastet. Er lebt nur für den Augenblick. Eine kurze Spanne entrückter Harmonie, wo der Wille ungehemmt die Spur ebnet, während Finger, Füße und Knie automatisch Bewegungsabläufe abspulen und der Hintern ahnt, wann der Reifen rutscht. Hier entsteht ein Fabelwesen: halb Maschine, halb Mensch. Ein Gefühl als seien die Grenzen der Schwerkraft aufgehoben!
“Du hast kein Gewicht mehr, du gehst in Schräglage und kippst nicht um.“
Wer nicht losfährt, kommt nie an. Bei jeder Reise verbindet sich der Wunsch, dass Ziel zu erreichen mit dem Vergnügen an der Dauer der Bewegung. Die Räder rotieren. Der Duft von Fichtennadeln in einem Wald. Der Wind, der das Gesicht umspielt. Die Landschaft – nicht von Blech und Fensterrahmen eingeengt – öffnet sich dem Blick des Fahrers. Ein Wechselbad der Emotionen, neben der Freude am Fahren auch die Furcht vor dem Fall. Die Angst entspringt aus dem Bedürfnis zu kontrollieren, was nicht zu kontrollieren ist: das Leben. Biker sind nicht todessüchtig. Im Gegenteil, die Lust am Leben prägt sie. Der Wunsch nach Sinnlichkeit, den schon der Anblick von Motorräder befriedigen kann. Welches andere Fahrzeug legt seinen Sinn so unverhohlen dar? Ein Motor zwischen zwei Rädern. Im Stillstand instabil, eben für die Bewegung geschaffen!
..in diesem Sinne.... nachdenkliche Grüße an alle !