Ode an die 80er

 
 
 
Wenn du nach 1980 geboren bist, dann lies bitte nicht weiter. Dann ist das hier zu harter Stoff für dich.
Kinder von heute werden in Watte gepackt!
Wenn du deine Kindheit in den 6oer 70er oder 8oer verbracht hast, dann gehörst du zu den Härtesten unter der Sonne.
Es ist rückblickend kaum zu glauben, das du sie überlebt hast.
 
Als Kinder saßen wir in Autos ohne Kindersitz oder Sicherheitsgurte und "Airbag" waren eher als Luftballon zu übersetzen als das es ein Fahrzeugteil zum Schutze der Insassen war. Da mußte man noch aufpassen, wenn Vatter auf die Bremse stieg, das man nicht durch die Lücke zwischen den Vordersitzen flog und ins Amaturenbrett biss. Und passierte dir das trotz aller Vorsicht doch, dann wurdes du nicht bedauert sondern es kam eher ein "Wat willst du denn hier kannze nich aufpassen" Angesichts eventueller körperlicher Schäden in Form von Nasenbluten oder so "Sau mir bloß nich die Polster voll" Wir träumten auch schon vom "3 Liter" Auto mit dem kleinen Unterschied...wir dachten da an Hubraum , nicht an Verbrauch.
 
Unsere Bettchen waren angmahlt in strahlenden Farben voller Blei und Cadmium. Die verwendeten Hölzer waren mit Formaldehyd getränkt, und das Zeug war auch in den Textilien. Die Fläschchen aus der Apotheke waren ohne Kindersicherung zu öffnen, ebenso die Putzmittel. Hat su da mal einen Schluck genommen hast du geschäumt wie ein Fuchs beim Tollwutanfall. Fahradhelme gab es nicht. Bist du auf die Fresse gefallen gab es Beulen. Und zu Weihnachen brannten richtige Kerzen mit richtigen Flammen am Christbaum und räucherten ihren krebserregenden Ruß in deine kindlich Nase. Die sich allerdings mehr auf die selbstgebackenen Kekse von Muttern konzentrierte und deren Witterung aufnahm. Das waren ganz andere Kalieber als die heutige Bröckelware von Aldi. Die waren noch mit echter Butter gemacht, ohne Rücksicht darauf, das diese bei Verbrennen auch toxische Stoffe freisetzt.
 
Wir verließen morgens das Haus zum Spielen und mußten erst zu Hause sein wenn die Straßenlaternen an gingen. Niemand wußte wo wir waren, und wir hatten nicht einmal ein Mobiltelefon dabei. Die Telefone hatten noch eine Wählscheibe und einen Hörer. Ein Funktelefon das es dann irgendwann mal für Autos gab kostete 15.000.-DM. Wir kletterten auf Ruienen und Bäumen herum, und lernten so die Bewegungsmotorik, die heutigen Jugendlichen fehlt. So lernten wir auch Gefahren einzuschätzen, denn haben wir was falsch gemacht tat es weh. Wir schnitten uns, brachen Knochen und Zähne, und niemand wurde deswegen verklagt. Fiel jemand aus dem Mast, weil seine Motorik versaget, so wurde nicht der Kapitän gefeuert und das Schiff still gelegt, sondern ein Anderer hoch geschickt, der es besser konnte. Wenn was daneben ging, so waren das Unfälle. Niemand hatte Schuld außer wir selbst. Keiner fragte nach "Aufsichtspflicht" Aufpassen mußten wir selber.
 
Wir kämpften miteinander und wir schlugen uns grün und blau. Doch lag einer am Boden war schluss. Und wer sich wagte einen Knüppel oder andere Hilfsmittel zu verwenden galt der als Feigling. Wir machten unsere Streitigkeiten unter uns aus. Die Erwachsenen interessierte das nicht. Wir hatten keine Playsation, Nintendo, X-Box, 150 Fernsehkanäle, Filme auf DVD, eigene Fernseher, Computer und Internet. Es gab kein Facebook, Schüler-vz, Und schon gar keine Handys. Wir hatten Freunde, und gingen einfach raus auf die Straße und trafen sie. Oder gingen zu ihnen nach Hause, und klingelten womit wir auch gleich immer ihre Familien kennen lernten. Wir sprachen mit ihnen von Angesicht zu Angesicht. Wir hörten nicht nur die Worte, sondern sahen und fühlten auch was sie nicht sagten. Bei manchen mußten wir nicht mal klingeln, sondern gingen einfach hinein ohne Termin und auch mal ohne Wissen der Eltern. Keiner brachte uns hin, und es holte uns auch keiner ab. Wie haben wir das nur alles geschafft?
 
Wir spielten mit Holzstöcken und Tennisbällen. Wir aßen auch Würmer, und die Prophezeiung das die in unseren Bäuchen weiter lebten traf nicht ein, und mit den Stöcken stachen wir uns nicht die Augen aus. Beim Straßenfußball durfte nur mit machen wer gut war. Wer nicht gut war mußte lernen mit der Endtäuschung umzugehen oder besser werden. Manche Schüler waren nicht so schlau wie andere, sie rasselten durch Prüfungen und mussten Klassen wiederholen. Aber das führte nicht zu emotionalen Elternabenden oder gar zu Änderungen bei der Leistungsbewertung. Fächer die wir nicht so gut konnten durften nicht einfach "abgewählt" werden. Man mußte einfach lernen. Und wolltest du was wissen, so gab es kein Wikipedia oder Google mit Suchfunktionen, sondern du musstest in die Bücherei und Bücher wälzen und lesen bis du es gefunden hattest. Und unterhielten wir uns in den Pausen auf dem Schulhof so reichte es die deutsche Sprache zu beherrschen um auch zu verstehen was andere so sprachen. Kam einer aus einem anderen Land so hatte er sich zu bemühen uns zu verstehen und nicht wir ihn. 
 
Was wir so anstellten hatte auch manchmal Konsequenzen. Keiner konnte sich verstecken. Wenn einer gegen das Gesetz verstieß, dann war klar, das die Eltern ihn nicht aus dem Schlamassel heraushauen würden. Im Gegenteil, sie waren der gleichen Meinung wie die Polizei. So was aber auch....dies lehrte dich aber Verantwortungsbewußtsein. Für den Scheiß den du bautest musstest du auch gerade stehen. Die Freiheiten, die unsere heutige Jugend so selbstverständlich genießt haben wir erkämpft. So manche können mit dieser Freiheit nicht umgehen, und treten sie mit Füssen. Mit einer Bierpulle in der Hand oder Kippe im Hals auf der Straße herumzulaufen ist heute höchsten noch unschön. Damals hätte die ein Erwachsener die Pulle oder Kippe abgenommen, mit der Bemerkung " Schämst du dich nicht?". Sicher habe wie dennoch geraucht....manche sogar Haschisch. Aber in der Öffendlichkeit?  Es gab Kneipen, die hatten eine Atmosphäre, wo ein tiefer Atemzug genügte um selig die Augen zu verdrehen. Dort gab es auch erstklassige Spagetti mit einer genialen Fleischsoße. (Das URS in Essen Huttrop) Aber ihr sollten nicht vergessen, das die Wirkstoffkonzentration in dem Marihuanna damals so bei 2-3 % lag. Heute sind es 18-20 %.
 
Bauchfrei trug nur wer es sich erlauben konnte. Die Mädchen trugen Minis und Hot-Pants um Ihre Beine zu zeigen. Und die Unterhosen waren noch kürzer wie die Oberbekleidung. Rückenfreie Kleider wurden ihrem Namen noch gerecht. Musik hatten wir, die sich noch so anhörte als ob da einer spielt, die Gruppen hatten noch mehr Instumente wie Computer. Die AC/DC Einritzungen in den Schulbänken stammen nicht aus dem Physikraum und stehen nicht für Wechselstrom und Gleichstrom nein die sind von uns.
 
Oh ja wir haben gelebt und Spaß gehabt. Miteinander, ohne das wir dazu viel Technik brauchten. Wir haben Moppeds getunt und Äppel geklaut. Hat uns einer erwischt gabs was auf die Nüsse. Es war sinnlos zu Papa zu rennen, wenn der Bauer dich verkloppt hat denn du liefest gefahr noch eine Tracht zu kriegen. Unsere Generation hat eine Fülle von innovativen Problemlösern und risikobereiten Erfindern hervorgebracht und auch die Chefs, die noch in der lage waren nicht nur ein Geschäft zu führen, sondern Menschen.  Die sich ihrer Verantwortung gegenüber den Angestellten und ihren Familien noch bewußt waren. Es gab Firmen in denen die Menschen ihre Lehre machten und bis zur Rente bei der gleichen Firma angestellt blieben. Wir hatten Freiheit und Verantwortung, Erfolg und Misserfolg, und wir haben gelernt damit umzugehen. Und du, der du nun bis hier hin das alles gelesen hast....hast du es auch verstanden?   Wenn ja, dann herzlichen Glückwunsch, dann ist noch Hoffnung....
 
Ps: Hiermit entschuldige ich mich in aller Form für "Modern Talking".....das haben wir nicht gewollt.
 
Manny 07. 06. 2011